Was heißt »systemisch«?

Stellen Sie sich eine Mannschaft im Ruderboot vor. Vier Ruderinnen tauchen im Gleichtakt ihre Skulls (Ruder) ins Wasser, ziehen durch und heben die Ruderblätter gemeinsam aus, anschließend rollen sie gleichmäßig vor in die Ausgangsposition. Eine von ihnen kann den gemeinsamen Rhythmus nicht einhalten, auch die anderen kommen aus dem Takt. Das Boot wackelt und es wird in seiner gleitenden Vorwärtsbewegung gestört.

Das systemische Verständnis für diesen Vorgang sieht eher eine Verkettung von Umständen als eine Ursache (die aus dem Takt gekommene Ruderin). Es geht davon aus, dass die Ruderinnen miteinander in Wechselwirkung stehen und sich aufeinander einstellen und abstimmen müssen. Bewegungsregeln und Vorgaben müssen allen bekannt sein. Auch die Vorstellungen und Ideen über einen guten Bewegungsablauf und wie er umzusetzen ist, gehören zur systemischen Betrachtungsweise.

Eine systemische Sichtweise auf das Problem im Ruderboot beschäftigt sich nicht mit der Lösung, sondern geht davon aus, dass sie dem System (den Ruderinnen) schon innewohnt, denn alle sind hervorragend trainierte und erfolgreiche Sportlerinnen. Diese Kompetenzen tragen gemeinsam zur Lösung bei. Systemische Beratung oder Therapie würdigt das bisher Erreichte, stellt Fragen auf dem Weg zur Lösung, befördert Unterschiede zutage und lässt Ausnahmen vom Problem erscheinen, vermittelt zwischen den Wahrnehmungen der Einzelnen, damit das Ganze gelingen kann.